Menü

2018.05.Leitartikel

Nein! Mündiger Glaube benötigt die kognitive Auseinandersetzung, Diskussion, Gespräch, Zweifeln und Hinterfragen - auch von sich selbst und der eigenen Meinung. Das deutsche Wort Glaube hat verschiedene Bedeutungen. Eine davon ist: Vertrauen. Diese drückt am besten die Bedeutung des griechischen Wortes „Pistis“ aus.

Vertrauen zu Menschen und auch zu Gott, benötigt Zeit, Auseinandersetzung und Wissen. Kognitives Wissen gehört definitiv zum Glauben dazu: Das Wissen um den Tod und die Auferstehung Jesu zum Beispiel. Der christliche Glaube war und ist ein regelrechter Katalysator für Bildungsprozesse bei Menschen. Die Bibel ermutigt sehr dazu, nach Weisheit und Vernunft zu suchen, wie Menschen nach Silber und Schätzen suchen (vergleiche Sprüche 2).

Und Zweifeln gehört dazu: Denn jeder Zweifel, wie skeptisch oder zynisch er auch daherkommt, ist im Grunde ein alternativer Glaube. Man kann einen Glauben A nicht anzweifeln ohne nicht selber eine Glaubensposition B einzunehmen2. Wobei Glaubensposition B natürlich auch eine Weltanschauung sein kann, die daran glaubt, dass es Gott nicht gibt.

Gerade deshalb ist es notwendig, darüber nachzudenken und das nachzuprüfen, was man wirklich glaubt und ob das auch wahr sein kann. Hier hilft der Zweifel sehr viel weiter: Ein Glaube ohne jeden Zweifel, also auch ohne Infragestellung der eigenen Überzeugungen, ist wie ein menschlicher Körper ohne entsprechendes Immunsystem. Viele Menschen gehen (aus Zeitmangel oder Gleichgültigkeit) naiv durchs Leben, ohne sich je ernsthaft zu fragen, warum sie das glauben, was sie glauben. Dann werden sie hilflos sein, wenn die Schläge des Lebens oder die bohrenden Fragen von Zweiflern kommen. Jeder Glaube eines Menschen, der sich nicht geduldig mit seinen Zweifeln

auseinandergesetzt und sie erst nach längerem Überlegen verworfen hat, kann über Nacht zusammenbrechen.

Glaube und Zweifel (nicht nur die eigenen Zweifel, auch die der Freunde) sind dazu da, dass man sie anerkennt und mit ihnen ringt.

Doch letztlich ist Glaube an Jesus viel mehr als nur ein „für wahr halten“ von eigenen Überzeugungen. Er ist viel mehr, als wir rational begreifen und mit Worten ausdrücken können und schließt doch das rationale Denken ein. Dieser Glaube wächst und lässt sich korrigieren durch das Licht des Wortes Gottes. Dadurch lässt Gott seine Wahrheit in uns lebendig werden und gute Früchte bringen. In der Bibel schreibt der Apostel Paulus über das Wachstum des Glaubens: „Es bleibt dabei: Der Glaube kommt aus dem Hören der Botschaft; und diese gründet sich auf das, was Christus gesagt hat.“ Römer 10,17 (HFA)

Deshalb möchte ich dazu ermutigen, um die eigenen Fragen im Glauben zu ringen und wirklich nach Antworten zu suchen! Mit Verstand, Präzision und guten Argumenten; und mit dem Hören auf Gottes Selbstoffenbarung in seinem Wort: Der Bibel. So kann das Vertrauen zu Gott wachsen. In diesem Sinne laden wir alle herzlich zur Auseinandersetzung mit dem Glauben ein. Sei es im Rahmen des Alphakurses, in den Kleingruppen oder in unseren Gottesdiensten.

Liebe Grüße

Jonathan Schirmer, Pastor

[1] Diese Fragestellung kam in einem Kommentar auf Facebook zu einer unserer Hinweise auf dem Alphakurs auf.

2 Über diesen Zusammenhang von Glaube und Zweifel schreibt Dr. Timothy Keller in seinem, auch auf Deutsch erschienenen, wirklich lesenswerten Bestseller: Warum Gott? Vernünftiger Glaube oder Irrlicht der Menschheit? Brunnen Verlag 2016: S. 11-29.

Zum Seitenanfang