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Niamey

„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt.“
Markus 10,25

Ich lebe nun lang genug in Niger, dass ich bezeugen kann, dass ein Kamel definitiv nicht durch ein Nadelöhr passt. Kamele sind nicht die kleinsten Tiere und zudem nicht besonders biegsam. Was will Jesus also mit so einem Satz sagen? Mich hat diese Aussage im letzten Jahr ziemlich beschäftigt.
In Niamey, wo wir als Familie leben, sind wir nämlich reich. Selbst wenn wir auf vieles von dem, was wir in Deutschland hatten, verzichtet haben, bleiben wir reich. Und nun soll es für mich plötzlich schwer bis unmöglich geworden sein ins Reich Gott zu kommen nur, weil ich in meinem neuen Lebensumfeld im Vergleich reich bin?
Zunächst: Ich denke Jesus war kein Mensch ohne Humor. Und auch er darf sich ja Bildern bedienen, die zwar etwas übertreiben, durch die seine Hörer jedoch ins Schmunzeln oder Nachdenken kommen. An anderen Stellen ist nämlich davon die Rede, dass es „sehr schwer“ oder „fast“ unmöglich für einen Reichen ist ins Himmelreich zu kommen. Es gibt also in Wirklichkeit mehr Hoffnung für mich, als für das Kamel, das es unmöglicherweise durch das Nadelöhr schaffen will.
Aber trotzdem bin ich als Reicher, als jemand, der im Überfluss lebt, als jemand, der in den Urlaub fahren kann und mehr als genug anzuziehen und zu essen hat, immer wieder mit meinem Herzen konfrontiert, wenn ich aufmerksam meine Bibel lese. Und je ärmer mein Umfeld ist, desto stärker wird diese Konfrontation für mich. Denn Gott fordert mich heraus, großzügig, barmherzig und mitfühlend zu sein. In der Bibel lässt er mich durch Jesus wissen, wie er leben würde, wenn er Mensch auf der Erde wäre.
Und Jesus war schließlich ein Mensch, der die Armen ganz oben auf seiner Agenda hatte. Jesus hat schonungslos geteilt. Er war der Typ, der sich in der Schulklasse neben den Looser oder in der Gemeinde neben den Penner gesetzt hätte.
Für mich bedeutet das, dass ich meinen Reichtum mit denen teile, die Gott ganz besonders wichtig sind. In der Welt ist der Reiche dem Armen überlegen. Bei Gott nicht. Der Reiche hat Verantwortung für den Armen, das ist richtig. Doch sobald sich ein Reicher überlegen fühlt, sündigt er (lest z.B. Jakobus 2).
Insofern ist für mich als Reicher viel Herzenspflege angesagt, wenn ich es mir mit Gott und seinem Reich nicht verscherzen will. Demut, Großzügigkeit, Mut und Opferbereitschaft, all dies sind Dinge die ich brauche, um ein Reicher nach Gottes Herzen zu sein. Doch es ist wahrlich nicht nur anstrengend, zu den Reichen zu gehören. Denn es macht auch Freude, helfen zu können. Es macht mich zutiefst zufrieden, für andere ein Segen zu sein. Denn dazu ist Gottes Segen für uns ja auch da. Wir dürfen ihn weitergeben.

Jonas Vetter

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