
Oktober 2007 - Unschuldig?
„Ich bin mir keiner Schuld bewusst“, sagte mein Gegenüber selbstzufrieden, und ließ mich einfach stehen. Damit war der Konflikt für ihn geklärt. So einfach machen wir es uns manchmal: Wenn das Gewissen kein Schuldgefühl meldet, dann haben wir eben nichts falsch gemacht.
Dagegen schreibt Paulus an die Korinther (1. Kor. 4,4) er sei sich zwar keiner Schuld bewusst, fügt aber sofort an: „Doch damit bin ich nicht gerechtfertigt, das letzte Urteil spricht der Herr.“ Er weiß um den „Blinden Fleck“ in unserem Gewissen, der uns hindert, die eigene Schuld objektiv zu sehen. Fehler, die uns bei anderen „ins Gesicht springen“, können wir bei uns selbst mit einleuchtenden Begründungen akzeptieren. Geistlich gesund ist das nicht. Ein reifer Jünger Jesu kennt diese fatale Schwäche und rechnet auch bei einem guten Gewissen damit, sich doch zu irren oder die Dinge noch nicht ganz richtig zu sehen. Diese Fähigkeit zur Selbstkritik ist eine Frucht der Nachfolge, die uns den Weg nicht immer leicht macht. Auch wir würden die leise mahnende Stimme manchmal gern zum Schweigen bringen und so unerschüttert leben, wie viele, denen wir begegnen. Aber dann könnten wir geistlich nicht wachsen. Nur wenn wir aufmerksam mit unseren dunklen Seiten umgehen, können wir sie durch den Heiligen Geist überwinden. Im Wissen darum, dass seine Schuld immer größer ist als seine persönliche Einsicht, und die Gnade Gottes immer größer als seine Schuld, betet David voller Vertrauen:
„Wer bemerkt seine eigenen Fehler? Sprich mich frei von Schuld, die mir nicht bewusst ist.
Psalm 19,13 (Monatsspruch Oktober).
Das letzte Wort spricht die Gnade Gottes, Gott sei Dank!
Christoph Müller, Pastor
















