
Mai 2010 - Das Unsichtbare sehen
„Ich glaube nur, was ich sehe“ – dieser alte Spruch hat viele von uns schon genervt. Gestimmt hat er noch nie, denn schon immer gab Dinge, die für uns unsichtbar sind, die aber trotzdem existieren Richtig sinnvoll finde ich den Satz, wenn man ihn umstellt: ich sehe nur, was ich glaube. Es ist doch so, dass wir Dinge, von deren Existenz wir nichts wissen, nicht sehen können. Einfaches Beispiel: wenn im Urlaub, sagen wir an der Costa Brava, im Restaurant plötzlich mein Nachbarn an mir vorbeilaufen würde, könnte ich ihn wahrscheinlich nicht sehen, ganz einfach, weil ich an diesem Ort nicht mit ihm rechne. Zuhause in unserer Straße würde ich ihn sofort erblicken. Hätte er mir aber vorher gesagt, dass er zur selben Zeit und am selben Ort Urlaub machte wie ich, hätte ich ihn selbstverständlich gesehen. Selbst wenn ich ihn nie hätte treffen wollen, hätte ich unbewusst nach ihm Ausschau gehalten, bis ich ihn entdeckt hätte. So stark hängt unser Sehen mit unseren Erwartungen zusammen. Und deshalb war der alte polemische Satz „Ich glaube nur, was ich sehe“ doppelt dumm. Wer seine Erwartungen begrenzt, begrenzt auch sein Sehen.
Im der Bibel werden wir ermutigt, mit dem Unsichtbaren zu leben, als könnten wir es sehen. Die Welt Gottes ist an so vielen Stellen für uns unsichtbar. Aber gerade deshalb erschließt sie sich dem Glauben. Die Monatslosung für den Mai sagt (Hebräer 11,1): Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Ich muss nicht sehen, um zu erfahren, aber ich muss glauben. Im Glauben „sehe“ ich, wie real Gottes Welt ist und wie verlässlich seine Zusagen. Dieses geistliche Sehen wirkt auf den Glauben zurück und lässt ihn immer stärker werden. Ich werde sehen, was ich glaube, das ist die Lebenshaltung, die uns Christen festigt und es uns ermöglicht, die Wege Gottes zu gehen.
Christoph Müller, Pastor
















