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Dezember 2008 - Der mütterliche Gott PDF Drucken E-Mail
Erinnern wir uns noch, wie wir als Kinder von unseren Eltern getröstet wurden? Im Rückblick steht mir vor Augen, wie unterschiedlich Vater und Mutter mich trösteten. Ich erinnere mich an die Hände meiner Mutter, die mein Gesicht streichelten, strapazierte Hausfrauenhände, die vielleicht
noch ein wenig nach Zwiebeln oder Spülwasser rochen. „Junge, was ist denn, erzähl doch mal“, konnte sie dann sagen. Mein Vater tröstete anders: „Also, jetzt komm, reiß dich mal ein bisschen zusammen, das ist doch kein Grund zum Heulen“. Dann gab es einen Klaps auf den Rücken, und das Thema war erledigt. Mutter wusste, über Dinge muss man reden, um sie durchzustehen. Vater wusste, Situationen muss man anpacken, um ihnen nicht ausgeliefert zu bleiben. Beides habe ich gebraucht, den zärtlichen verständnisvollen und den kameradschaftlich aufmunternden Trost. Wie aber tröstet Gott?
In der Bibel offenbart sich Gott als Vater, sogar als „der Vater, der der Ursprung jeder Vaterschaft“ ist. Darin liegt ein umfassendes Verständnis von Vaterschaft, nämlich Vaterschaft als fördernde, befähigende, begrenzende und schützende Autorität. Aber Gott sprengt das Bild eines menschlichen Vaters, er hat auch mütterliche Züge. Der Vers für Dezember lautet:

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jesaja 66,13)

Dieser Vers sagt, bei Gott finden Menschen Trost, die erstmal keine Lösungen suchen, sondern Verständnis, die Kraft für ihr Leben nötig haben, und nicht gleich wieder neue Aufgaben brauchen. Dieser mütterliche Gott erträgt mit uns die Situation, hält unser Klagen und Zürnen aus, wie wir z. B. bei den Propheten des Alten Testaments sehen. Diese Seite Gottes müssen wir kennen, damit wir uns ihm voll anvertrauen können.
Zu Weihnachten denken wir daran, dass Gott sich selbst einer Mutter anvertraute, als er Mensch wurde in Jesus von Nazareth. Er hat gewusst, was er tat, und damit allen Müttern für alle Zeiten ein großes Kompliment gemacht.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!

Christoph Müller, Pastor